Was mich der „Crash“ gelehrt hat

Lernen, Emotionen von Geld zu trennen

Zunächst mal ein kleiner Disclaimer: keiner weiß, ob der „Crash“ bereits an uns vorbeigezogen ist oder ob wir uns noch mitten drin befinden. Ich bin diesbezüglich eher negativ eingestellt – darum soll es aber in diesem Artikel nicht gehen.

Da war der Tag also endlich gekommen: der 24. Februar. Dieser Tag läutete eine ziemlich schwere Talfahrt ein, welche uns Aktionäre bis Mitte März erstmal blöd aus der Wäsche gucken lies. Selbst für alteingesessene, erfahrene Anleger erschien die Stärke dieses Abwärtssogs erschreckend. Der DAX schrumpfte um 40%, ebenso wie der EuroStoxx. Der Ami konnte sich da etwas besser halten. Mittlerweile – knapp 7 Wochen später – ist das Bild am Aktienmarkt wieder ein ganz anderes. Die großen Verluste wurden zu einem erheblichen Teil kompensiert.

Ich kann für mich sagen, dass ich sofort ein neues Bild über die Börse entwickelt habe. In meinem Fall war die Volatilität auch extrem hoch, da mein Depot von Oktober bis zu diesem 24. Februar einen guten Sprint hingelegt hat. Diese Gewinne verpufften jedoch innerhalb von zwei Wochen sowas von schlagartig – da staunte sogar die Lufthansa o.O

In so einer Lage tut man sich aber selbst den größten Gefallen, indem man Abstand vom Depot nimmt. Die Emotionen werden erst vollständig hervorgerufen und zu einem Problem, wenn man die tatsächlichen, täglichen Verluste vor die Augen bekommt. Man tut sich damit keinen Gefallen und läuft Gefahr, überhastete Entscheidungen zu treffen. Das ständige Kaufen und Verkaufen stellt dabei die größte aller Gefahren dar.

 

Kurzer Exkurs: Exakt das gleiche Phänomen tritt auch auf, wenn man ETFs mit einem Strauß aus vielen Einzelaktien vergleicht. Bei einem ETF wirst du nie (solange du nicht explizit danach suchst) erfahren, welche Unternehmen denn gerade schlecht und welche gut performen. Du siehst in deinem Depot nur den Durchschnitt (mit entsprechender Gewichtung). Demgegenüber ein Strauß aus vielen Einzelaktien: bei jedem Depotbesuch wirst du überflutet mit neuen Informationen. Wer hat heute am besten performt? Welches Unternehmen zieht mein Depot seit ein paar Wochen komplett ins Minus? Du wirst überschüttet mit Informationen und du hast ein ungutes Gefühl, da du dir auf einmal zig Fragen stellst: verkaufe ich die schlechten Performer und kaufe stattdessen noch ein paar der guten Performer? Wann ist der richtige Zeitpunkt, diese oder jene Aktie zu verkaufen? Doch all diese Fragen regen lediglich dazu an, unnötige Entscheidungen zu treffen. Ein ETF ist aus Sicht der Psychologie ein Wunderwerk.

 

Ich hatte das Glück, dass ich mit 2019 ein super Jahr eingefahren habe. Dieser Vorsprung war ein extrem gutes Polster und federten die Verluste ab. Was aber mindestens genauso wichtig war: ich habe die Emotionen vom Geld getrennt. Man muss lernen, Gewinne und Verluste als gleichgültig anzusehen. Klar, man soll sich über gute Tage/Wochen an der Börse freuen dürfen. Man darf aber nie das Gefühl bekommen, dass man das Geld schon sein Eigen nennen darf. Schlechte Tage tun in der Folge umso stärker weh. Objektivität ist gefragt!

 

 

Mich hat es nochmal in meiner Meinung gestärkt, dass es absoluter Unsinn ist, wenn man auf die Meinung anderer Menschen hört (lediglich auf die Börse bezogen, selbstverständlich 😉). Nimm Abstand und mache dir dein eigenes Bild. Das Ziel ist, später so wenig Positionen wie möglich verkaufen zu müssen. In den sozialen Netzwerken hört man bei vielen Bloggern oft den Ausdruck „Frühjahrsputz“ – man verkauft also seine Depotleichen und schafft Pulver für Neues. Überlege dir ganz genau, ob und von wem du dir Rat holen wirst.

 

Autor: Jonas Rosenberger

Jonas Rosenberger ist 2000 in Passau geboren. Er besuchte das Gymnasium Untergriesbach und begann anschließend sein duales Studium in Wirtschaftsingenieurwesen an der DHBW Mannheim. Seit 2018 beschäftigt er sich mit dem Aktienmarkt und schreibt regelmäßig Artikel zu Finanzthemen und dem Frugalismus.

3 Gedanken zu „Was mich der „Crash“ gelehrt hat“

  1. Emotionale Entscheidungen sollte man so gut es geht vermeiden, da diese mit hoher Wahrscheinlichkeit später (wenn man wieder rational denkt) bereut werden. Das ist allerdings leichter gesagt als getan, selbst mit viel Erfahrung, da Angst eine starke Emotion ist. Nicht umsonst gibt es die Behavioral Finance mit all ihren Verhaltenseffekten. Hier muss man immer daran denken, dass diese Effekte im Zweifel nicht nur für „alle anderen“ gelten, sondern auch für einen selbst.

  2. Hallo Jonas,
    also ich mache „buy and hold“ .. und kaufe beizeiten nach … und generell zum Verkauf … die Frage kaufen oder verkaufen stellt sich bei langfristigen Aktionären nicht … sie bleiben dem Unternehmen verbunden … auch in schlechten Zeiten … wer verkauft hat seine Hausaufgaben vorher nicht gemacht …. Aktien für immer … Krisen passieren … dazu ist die Welt insgesamt mittlerweile zu sehr miteinander verwoben und dementsprechend „dünnhäutig“ …fragil …. da helfen nur solide Informationen wie beispielsweise die langfristige Entwicklung von Dividenden Z.B beim DAX … das hilft bei der (vorherigen) Einschätzung einer Aktie …
    Schöne Grüße
    Uwe

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