Gibt es die eine, richtige Strategie?

Meine Erkenntnisse und Gedankengänge zum Thema Strategie

Als ich im September 2018 meine ersten Aktien kaufte, spielte dabei wirklich alles eine Rolle – nur eine Strategie nicht. Begonnen habe ich mit TUI, darauf folgte Geely und schließlich noch ein paar Wasserstoff-Werte. Zuerst dachte ich mir, ich kann irgendein Muster in den Charts erkennen und somit einen baldigen Anstieg vorhersehen. Man kaufte nach Gefühl, hat viel zu oft in sein Depot geschaut und schließlich viel zu früh wieder verkauft. Unterm Strich hat sich nur mein Broker gefreut.

 

Das alles waren aber essentielle Erfahrungen und Fehler, die man keinesfalls missen möchte. Genau so verhält es sich auch bei (realisierten) Verlusten: niemand kann dir beschreiben, wie es sich denn anfühlt, Geld zu verlieren. Man merkt auf einmal, dass man sich schon immer über Kleinigkeiten den Kopf unnötig zerbrochen hat.

Soll ich nun 50€ ausgeben für einen entspannten Grillabend mit den Freunden? Wenn man dann mal den ersten schwierigen Tag an der Börse hinter sich hat und man rein rechnerisch mit dem verlorenen Geld gleich 5 solcher Grillabende hätte veranstalten können, ändert sich so langsam aber sicher der Blickwinkel. Man merkt schnell, dass Geld einfach nur extrem kurzlebig ist und keinerlei Bedeutung hat. Zeit ist das einzig Wertvolle. Je früher man das merkt, desto mehr hat man noch davon.

Diese Erfahrungen muss jeder für sich machen und hat auch noch nicht wirklich etwas mit dem Investieren zu tun. Man muss sich quasi erstmal „umpolen“ und verstehen, wie Geld wirklich funktioniert und wie die Finanzmärkte ticken.

 

Nach den ersten Spontankäufen am Aktienmarkt hat sich mein Depot dann stetig „bereinigt“. Die Anzahl der Werte ist gesunken und man kann nun neue Käufe sogar begründen 😀 Nach langer Recherche habe ich dann immer stärker auf ETFs gesetzt und bin ihnen bisher auch nicht von der Seite gewichen.

Das wichtigste ist, dass man Disziplin und einen langen Atem beweist. Die kurzfristigen Versuchungen können noch so groß sein – man muss sich und seiner Strategie selbst treu bleiben. Kaufe nie auf Empfehlung, sondern nur, wenn du selbst verglichen, dich informiert und die Entscheidung mit voller Überzeugung triffst. Und natürlich am wichtigsten: mit 100%iger Eigenverantwortung. Es ist nur dann ein guter Kauf, wenn du nicht den Drang verspürst, 10-mal am Tag dein Depot zu checken und auch nachts noch durchschlafen kannst. Bei allem anderen Zeug, was sonst noch in deinem Depot verweilt: weg damit.

 

 

Es kann keiner sagen, wie sich der Markt oder einzelne Segmente entwickeln. Es ist auch so sicher wie das Amen in der Kirche, dass sich der Aktienkurs nicht parallel zu den tatsächlichen Gewinnen entwickelt. Nur du selbst kannst für dich die beste Entscheidung treffen.

Genau in diesen Zeiten denke ich mir wieder besonders: im Endeffekt haben wir alle keine Ahnung. Es kann von einen Tag auf den anderen alles ganz anders sein. Was in den letzten 10 Jahren gut war, kann innerhalb ein paar Monaten völlig den Bach runter gehen. Da kann man vorher noch so ein gutes Risikomanagement betrieben haben. Hätte man sich jemals im Traum ausgemalt, dass die Lufthansa heute an so einem Punkt steht und stündlich die Millionen flöten gehen? Man hat vielleicht hier und da schon mal was von dem möglichen Problem einer Pandemie gehört, aber vorstellen konnte es sich trotzdem niemand. Selbst vor drei Monaten war eine solche Situation noch undenkbar.

Dies sollte man sich immer vor Augen führen. Im Gegenteil kann sich ein treuer Titel in deinem Depot seit Monaten und Jahren nur seitwärts bewegen bis die eine Woche kommt, welche die lange Wartezeit mehr als bezahlt macht. Es kommt nur darauf an, mit welcher Einstellung du dir den Titel ins Depot gelegt hast.

 

Autor: Jonas Rosenberger

Jonas Rosenberger ist 2000 in Passau geboren. Er besuchte das Gymnasium Untergriesbach und begann anschließend sein duales Studium in Wirtschaftsingenieurwesen an der DHBW Mannheim. Seit 2018 beschäftigt er sich mit dem Aktienmarkt und schreibt regelmäßig Artikel zu Finanzthemen und dem Frugalismus.

Ein Gedanke zu „Gibt es die eine, richtige Strategie?“

  1. Hallo Jonas,
    nur so viel .. es gibt genügend Produkte, die es seit mehr als 100 Jahren gibt … Coca-Cola, Gillette, Nivea usw.
    Investiere in solche Unternehmen …. langfristig … die „vergehen“ nicht „in ein paar Monaten“ …
    Lese dich noch viel mehr in Aktien, ETF usw ein.
    Ist ein gutgemeinter Rat.
    Schöne Grüße
    Uwe

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