Der Crash – dein Freund und Helfer?

Crash als Chancengeber und langfristiger Boost

Mit Hintergrund der aktuellen Bedenken rund um die weitere Verbreitung und die Auswirkungen des Coronavirus auf unsere Weltwirtschaft, ist die Lage an den Börsenmärkten derzeit mehr als angespannt. Das natürlich nicht ohne Grund – die langjährige auf Pump ausgelegte Geldpolitik der Zentralbanken gibt dazu seinen Rest.

Schnell kommen die Erfahrungen aus der Dotcom-Blase um 2000 und der Wirtschaftskrise im Jahre 2008 hoch. Damals haben Anleger viel Geld „verloren“, was durch deren oftmals unkontrolliertes Verhalten gefördert wurde. Die Börse ist eben kein Kinderspielplatz und man darf als Anleger viele Höhen und Tiefen durchmachen bzw. muss sich darauf einstellen. Emotionale Investoren sind hier besonders gefährdet und tätigen Entscheidungen zu den ungünstigsten Zeitpunkten.

 

 

Passive Investoren haben hierbei die besten Karten, da sie sich im Regelfall nicht selbst die Kauf- und Verkaufszeitpunkte aussuchen. Durch stures, monatliches Investieren werden die Emotionen verdrängt, da man nicht selber aktiv werden muss. Ein zusätzlicher Vorteil ist, dass man durch den Cost-Average-Effekt nach einigen Jahren monatlich immer zum Durchschnittspreis einkauft. Aus dieser Sicht ist ein Crash mehr wie wertvoll, da dadurch günstig Anteile erworben werden können und den Einkaufspreis im Schnitt senken. Als langfristiger Anleger fährt man dadurch eine Win-Situation ein.

Ich sehe einen Crash zusätzlich als ein Ereignis, welches mir vergangene Zeit zurückbringt. Wenn ich mir heute Anteile zu einem Kurs kaufe, welchen der historische Chart bereits vor 2 Jahren passiert hat, so kann ich mit einem Kauf diese verstrichene Zeit „kompensieren“. Denn wie wir wissen: Zeit ist Geld.

Zusätzlich KANN ein Crash ein bedeutender Turbo bei der Vermögensbildung sein. Hierfür ein kleiner Gedankenanstoß:

1 Anteil eines ETFs kostet zum 1.1.2000 ganze 100€.

Max (18) investiert zu diesem Zeitpunkt 10.000€ in diesen ETF und bekommt dafür 100 Stück.

Moritz (18) ist hingegen um eine Hauslänge schlauer und wartet mit seinem Kauf, bis der ETF am 2.1.2000 nur noch 25€ kostet. Moritz investiert ebenfalls 10.000€ und freut sich über seine 400 ETF-Anteile.

Zur Erinnnerung: Nasdaq 100 und TecDAX sind beim Platzen der Dotcom-Blase um 80% eingebrochen

Bei beiden beginnt nun der normale Lauf des Lebens mit Freundin, Heirat und Kindern. Zum 1.1.2020 kommen sie unverhofft in Bredouille, da sich die jeweilige Ehefrau nun ein Eigenheim wünscht. Sie erinnern sich sofort an deren Investitionen zur Jahrtausendwende. Der Kurs des ETFs steht mittlerweile bei 400€.

Max (38) kann sein Glück kaum fassen und kauft sich mit seinen nun verfügbaren 40.000€ eine etwas altmodische 1-Zimmer-Wohnung im Herzen vom Odenwald. Seine Investition ist um durchschnittlich 7,177% p.a. gestiegen.

Moritz (38) verfügt nun über 160.000€ und kann sich und seiner Familie ein kleines Häuschen am Stadtrand leisten (okay, zugegebernermaßen auch keine Großstadt). Seine Investition ist um durchschnittlich 14,870% p.a. gestiegen.

In dieser Berechnung wurden die regelmäßigen Ausschüttungen/Dividenden des ETFs vernachlässigt – diese würden den Effekt nochmal um einiges verstärken.

Es soll verdeutlichen, dass jeder Absturz auch eine neue Möglichkeit sein kann. Auch wenn man den perfekten Einstiegszeitpunkt nie treffen wird, so kann man aus historischer Sicht trotzdem Abschläge von 30-50% für sich nutzen und über viele Jahre hinweg davon profitieren. Einbrüche der großen Indizes von bis zu 60% waren dabei keine Seltenheit. Auf der anderen Seite sollen aber Nachkäufe vermieden werden, wenn sich nur kurz ein Abschlag von 5-10% ergibt. Alle Heiligen reden dann schon wieder von „Rabatt“ an den Börsen. In den meisten Fällen wären diese Leute aber besser dran gewesen, wenn sie einfach nur schon zwei Wochen früher gekauft hätten, als der Kurs noch niedriger stand.

Sei dir also über deine Chancen bewusst und entwickle deine Strategie für einen Crash – handle gemäß den Fakten und folge nicht den Emotionen. Sei dir auch bewusst, dass du nicht bei der kleinsten Korrektur von bis zu 5% sofort einen Sonderkauf tätigen musst. Solche Marktbewegungen sind alltäglich und die langfristigen Auswirkungen sind sehr gering. Sie gewinnen mit dem Zinseszins erst bei über 30% Einbruch an wesentlicher Bedeutung – ab 50% werden die Schritte immens. Denn wenn dann bei einem noch stärkeren Tiefgang bereits die ganze Munition verschossen ist, hat man gleich zweimal die A-Karte gezogen.

 

Autor: Jonas Rosenberger

Jonas Rosenberger ist 2000 in Passau geboren. Er besuchte das Gymnasium Untergriesbach und begann anschließend sein duales Studium in Wirtschaftsingenieurwesen an der DHBW Mannheim. Seit 2018 beschäftigt er sich mit dem Aktienmarkt und schreibt regelmäßig Artikel zu Finanzthemen und dem Frugalismus.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.